Submitted by Markus Seidel, University of Münster.

Positivismus als gesellschaftliches und politisches Projekt

Universität Münster, Senatssaal, Schlossplatz 2

19.01.2017, 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Obwohl der Ausdruck ‚Positivismus‘ vielfältig verwendet wird, kann darunter nichtsdestotrotz der Versuch gefasst werden, die Voraussetzungen der Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften theoretisch zu erfassen und auf alle wissenschaftlichen Disziplinen zu übertragen. Darin lässt sich in nuce auch ein gesellschaftspolitisches Projekt sehen: Auch die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen, statt sich in müßigen Spekulationen und Glasperlenspielen zu ergehen. Nicht selten wurde dieses Projekt als unkritisch und politisch konservativ eingestuft—speziell im Kontext der Diskussion um den sogenannten logischen Positivismus.
Die Tagung hat zum Ziel, den gesellschaftspolitischen Ambitionen hinter positivistischen Strömungen nachzuspüren und miteinander in Bezug zu setzen. Dabei soll der Bogen sowohl historisch von Mill über Comte, den Wiener Kreis bis hin zu heutigen Erscheinungsformen als auch gleichzeitig disziplinär breit von der Ökonomie über die Erziehungs- und Sozialwissenschaften, die Rechtswissenschaften und die Wissenschaftstheorie geschlagen werden.

Programm:

09:00-09:15 Begrüßung
09:15-10:15 Simon Derpmann (Münster): Mills politische Ökonomie als soziales Ingenieurwesen
10:15-11:15 Hans-Joachim Dahms (Wien): Comte – Ostwald – Carnap: eine (weitgehend unbekannte) Traditionslinie der positivistischen Aufklärung
11:15-11:30 Kaffeepause
11:30-12:30 Anne Siegetsleitner (Innsbruck): Die wissenschaftliche Weltauffassung des Wiener Kreises als moralische und politische Positionierung
12:30-14:30 Mittagspause
14:30-15:30 Thomas Uebel (Manchester): Sozialisierungstheorie und Logischer Empirismus
15:30-16:30 Eric Hilgendorf (Würzburg): Erscheinungsformen des Positivismus im Recht
16:30-16:45 Kaffeepause
16:45-17:45 Josef Lindner (Augsburg): Politische Dimensionen des Rechtspositivismus
17:45-18:45 Rainer Hegselmann (Frankfurt): Wissenschaftliche Weltauffassung heute: Wissenschaftsintegration, – reflexion und – kommunikation als übergreifende Bildungsziele
18:45-19:00 Verabschiedung

Die Tagung wird vom Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW) der WWU Münster in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg veranstaltet.

Organisatoren:

* Dr. Markus Seidel, ZfW, Westf. Wilhelms-Universität Münster
* Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Juristische Fakultät, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Aufgrund der beschränkten Platzkapazitäten wird um eine Anmeldung gebeten bei: Claudia Güstrau, claudia.guestrau@wwu.de

Kontakt: Markus Seidel, markus.seidel@wwu.de